1. Etappe: Bern - Meiringen (75 KM, 100 HM)

Vier Jahre nach der Umrundung des "Ring of Kerry" in Irland - "leider" sind die Fotos unauffindbar - wage ich mich mit Rountinier "Schurli" Georg in die Schweizer Alpen. Mit komplett überfüllten Packtaschen machen wir uns von Bern aus auf den Weg. Wir umfahren den Thuner- und Brienzer See und erreichen am frühen Nachmittag Meiringen.

2. Etappe: Meiringen - Hospental (65 KM, 2.300 HM)

Gleich zwei Pässe "versperren" uns heute den Weg: Grimselpass (2.165 m, max. 11,0 %) und Furkapass (2.436 m, Ø 6,5%, max. 12,0%). Auf den Grimsel geht es zunächst entlang der Aare leicht bergauf. Der eigentliche Anstieg beginnt in Handegg, 12 km vor der Passhöhe. Im aufziehenden Nebel erreichen wir den "Gipfel" und flüchten vor dem einsetzenden Regen gleich wieder ins Tal.

Die Abfahrt endet in "Gletsch" (1.757 m) am Fuße des "Furkas". Schurlis Überlegungen ob des Regens in dem trostlosen Kaff zu übernachten, werden von mir im Keim erstickt. Knapp 700 Höhenmeter liegen vor uns, den Verlauf der Straße können wir nur erahnen und auch der Rhônegletscher bleibt uns verborgen.

Anfeuernder Applaus einiger verdutzter Autofahrer treibt uns im strömenden Regen die Kehren hinauf. Zehn Jahre später werde ich erneut vor diese Passtafel stehen und frieren. Geschlottert hat übrigens auch der Kollege rechts im Bild: cooler Schnappschuss, dann warmer Pullover. Im Tal "brechen" wir in eine Lagerhalle ein und legen uns trocken. Übernachtet wird in der Jugendherberge von Hospental.

3. Etappe: Hospental - Thusis (101 KM, 800 HM)

Die Sonne hat die Regenwolken zwar vertrieben, mein Kreislauf kommt trotz Traumwetters nicht in Schwung. Die Fahrt auf den Oberalppass (2.046 m, Ø 5,8%, max. 10,0%) wird zum unerwartet mühsamen Unterfangen. Nicht einmal die übliche Dosen-Thunfisch-Ration hilft.

Natürlich könnte es unter Umständen auch sein, dass mir Georgs Tempo einfach zu langsam war... Der Berg selbst lässt auch keinen Rhythmus zu. Den Rest des Tages rollen wir fast nur im Tal dahin, bis die kaum befahrene Straße 30 km vor Thusis plötzlich wieder ansteigt und durch ein paar höher gelegene Dörfer führt. Danach gönnen wir uns den Luxus eines Hotels.

4. Etappe: Thusis - La Punt (75 KM, 1.500 HM)

Wir verlassen Thusis in Richtung Tiefencastel (851 m) und stehen zu Mittag auf dem landschaflich wunderschönen Julierpass (2.284 m, Ø 4,0%, max. 10,0%). "Ich-schmier-mich-doch-nicht-ein-Schurli" darf übrigens langärmelig fahren, die Sonne hat ihn am Vortag arg erwischt.

Bei der Auffahrt werden wir fast Opfer eines Mordanschlags! Im allerletzten Moment entkommen wir dem viel zu knapp überholenden Lkw haarscharf bei der Tunnelausfahrt... Nach dem Schock überqueren wir den Pass, bummeln nach St. Moritz und dann weiter nach La Punt.

5. Etappe: La Punt - Albulapass - La Punt (20 KM, 500 HM)

Da meine Eltern in La Punt Urlaub machen, bleibe ich noch ein paar Tage in der Schweiz. Georg hat die Anstrengungen satt und nimmt den Zug nach Wien. Ich lasse mir die Gelegenheit natürlich nicht entgehen und hake den Albulapass (2.312 m, Ø 7,0 %, max. 12,0%) auch noch ab.

6. Etappe: La Punt - Berninapass - La Punt (52 KM, 500 HM)

Und weil die Eidgenossen herrlich viele Berge haben, kommt der Berninapass (2.330 m, Ø 3,3%, max. 9,0%) auch noch dran: Von Pontresina führt die Straße in leichten Kurven sanft bergauf. Begleitet von der Rhätischen Bahn gewinnt man langsam an Höhe. Gleichzeitig darf man sich bis zur Passhöhe am Anblick von Piz Bernina (4.049 m) und Piz Balu (3.905 m) erfreuen - wenn man weiß wohin man schauen muss...

Angesteckt vom Fieber, mit dem Rad möglichst hoch hinaus zu kommen, besuchen wir 1995 Frankreich und lernen seine äußert sympathischen und in aller Welt beliebten Bewohner kennen.

Strecke: Bern - La Punt (St. Moritz), 370 Kilometer, 31.07. - 05.08.1994

Pässe: Furkapass (2.436 m), Berninapass (2.330 m), Albulapass (2.312 m), Julierpass (2.284 m), Grimselpass (2.165 m), Oberalppass (2.046 m)

Höhenmeter: 5.700