1. Etappe: Wien - Krieglach (115 KM, 700 HM)

Nach der Indien-Tour wollen wieder etwas kürzer treten, setzen uns kurzerhand in Wien aufs Rad und rollen los. Geplant war - über einen Abstecher nach Südtirol - bis Feldkirch zu fahren, doch es sollte anders kommen. Schon der erste Tag ist leicht verregnet, ich spüre schon auf den ersten Metern nach Vösendorf (!), dass ich Trainingsrückstand habe. Eher lustlos überwinden wir den Semmering (984 m) (eine einzige Qual!) und übernachten in Krieglach.

2. Etappe: Krieglach - Predlitz (160 KM, 200 HM)

Der zweite Tag: Bei mir meldet sich die Achillessehne ziemlich heftig zu Wort. Auch die lieblich-fade Landschaft des Murtales mit seinen hässlichen Städten ist unserer Motivation nicht besonders zuträglich. Auf möglichst verkehrsarmen Straßen treten wir bis Predlitz in den Tag hinein.

3. Etappe: Predlitz - Heiligenblut (153 KM, 1.700 HM)

Endlich ein Berg! Die Turracher-Höhe (1.763 m) startet direkt vor unsere Unterkunft und ist daher bereits am Vormittag wieder Geschichte. Doch noch steht uns das gesamte Mölltal (natürlich mit heftigem Gegenwind) und der Anstieg nach Heiligenblut bevor. Das Wetter bleibt trüb, es ist windig und kühl, ich kann kaum treten.

4. Etappe: Heiligenblut - Kitzbühel (79 KM, 600 HM)

Im Tal schüttet es, am Glockner fällt Schnee. Nach einem Anruf bei der Mautsation ("...mit dem Radl? Na! Bitte ned...") siegt auch bei Alex die Vernunft und wir fahren mit dem Postbus (!) bergauf. Spätestens bei einer kurzen Pause am Hochtor wird uns bewusst, dass wir richtig gehandelt haben. Der Wind bläst uns fast im Stehen um.

In Ferleiten verlassen wir den wohlig warmen Postbus und bringen bei strömenden Regen Kilometer für Kilometer hinter uns. Besonders im Salzachtal bis Mittersill büßen wir im Schwerverkehr unsere Sünden im Blindflug ab. Dagegen ist der Pass Thurn (1.273 m) die reinste Erholung. Wir übernachten bei einem Freund in Kitzbühel.

4. Etappe: Kitzbühel - Wörgl (57 KM, 1.000 HM)

Der Blick aus dem Fenster ist ernüchternd, die Wolkendecke berührt fast den Boden. Wir entschließen uns, zunächst auf das Kitzbüheler Horn (Alpenhaus 1.670 m) zu fahren und dann weiterzuschauen. Die maximale Steigung beträgt 18%, die man im dichten Nebel wie in Trance bewältigt. Trotz des nasskalten Wetters fühle ich mich zum ersten Mal in diesen Tagen gut in Form und auch die Sehne spielt wieder halbwegs mit.

Wider Erwarten blinzelt plötzlich die Sonne durch die Wolken! Wir nehmen die Fahrt wieder auf, durchqueren überflutete Unterführungen, ahnen aber schon was kommt. In Wörgl rollen wir auf eine schwarze Wolkenfront zu, die das Inntal fest in ihrer Gewalt hat. Wir einigen uns darauf, die Tour abzubrechen und besteigen einen Zug nach Wien, in dem dann die Pläne für das nächste Jahr reifen...

Strecke: Wien - Wörgl, 654 Kilometer

Pässe: Turracher Höhe (1.763 m), Kitzbüheler Horn (Alpenhaus, 1.670 m), Pass Thurn (1.273 m), Semmering (984 m)

Höhenmeter: 4.200